Ablegereife der Persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz

15.01.2018  |  Allgemein

Warum gibt es Ablegereife von PSA? Und warum darf man nicht behaupten, dass manche PSA keine Ablegereife haben? Wir versuchen hier etwas Licht ins Dunkel zu kriegen, denn jeder Hersteller hat seine eigene Sichtweise zu dem Thema Ablegereife.

Allgemein:

Ihr Leben hängt nicht nur von der sachgemäßen Anwendung Ihrer PSAgA ab, sondern auch von der Schutzausrüstung selbst. Neben der jährlichen Kontrolle von einem Sachkundigen nach DGUV G 312-906 sollten Sie daher Ihre Ausrüstung vor jedem Einsatz einer visuellen Kontrolle unterziehen und prüfen ob die Schutzausrüstung noch einsetzbar ist.


Sichtweise der BG:

Rechtliche Grundlage für die Beschränkung der Einsatzdauer von PSA ist die PSARichtline (89/686/EG) sowie die EN 365. Die PSA Richtlinie sieht vor, dass jeder Hersteller in den Gebrauchsanleitungen der Produkte auch Angaben zur Gebrauchsdauer macht. In der DIN EN 365 regelt sich die regelmäßige Überprüfung durch einen Sachkundigen. Daneben ist die Einsatzdauer von PSA in Deutschland in der Berufsgenossenschaftlichen Richtlinie 198 geregelt.

In Punkt. 6.8 ist geregelt: " Aus Chemiefasern hergestellte Gurte und Verbindungsmittel unterliegen auch ohne Beanspruchung einer gewissen Alterung. Diese Alterung der Materialien kommt insbesondere von der Stärke der ultravioletten Strahlung sowie von klimatischen und anderen Umwelteinflüssen.“ Weiterhin: „Nach den bisherigen Erfahrungen kann unter normalen Einsatzbedingungen bei Gurten von einer Benutzungsdauer von 6 bis 8 Jahren und bei Verbindungsmitteln (Seil/Bänder) von einer Benutzungsdauer von 4 bis 6 Jahren ausgegangen werden."


Sichtweise der Hersteller:

Jeder Hersteller versucht natürlich einen Marketingvorteil aus der Lebensdauer seiner Produkte zu ziehen. Die Angaben dazu reichen von BG Grundlagen bis hin zu keiner Ablegereife. Wir haben versucht eine Übersicht zu erstellen je nach Herstellerangaben.


 

  • Bei Skylotec liegt die maximale Ablegereife für Gurte bei 8 und für Seile sowie Verbindungsmittel bei 6 Jahren. Zusätzlich können die Produkte bis zu 2 Jahre an Lager gelegen haben, sodass eine Gesamtlebensdauer von 10 bzw. 8 Jahren erreicht werden kann und eine Nutzungsdauer von 8 und 6.Ablegereife von Skylotec Produkten

    • Produkte von Petzl aus Kunststoff bzw. Textilien erreichen spätestens nach 10 Jahren ab Herstellungsdatum ihre Ablegereife.

    • Edelrid Seile und Gurte besitzen eine maximale Lebensdauer von 12 Jahren, müssen jedoch spätestens nach der Gebrauchsdauer von 10 Jahren, das heißt ab der ersten Benutzung, ausgesondert werden.

    • Auch Kask Helme sollten spätestens nach 10 Jahren ersetzt werden.

    • Ikar Gurte werden mit maximal 12 Jahren ab Herstellungsdatum angegeben, wobei dies eine Kombination aus Nutzung und Lagerung sein kann. Verbindungsmittel besitzen eine maximale Lebensdauer von 10 Jahren.

    • Bornack gibt eine maximale Lebensdauer von 10 Jahren an, wenn die PSA vor dem ersten Einsatz optimal gelagert wurde. "Bei seltenem Einsatz ohne nennenswerte mechanische Belastung und Verschmutzung" beträgt die maximale Lebensdauer hier 7 Jahre.

    • Honeywell Miller setzt auf 10 Jahre ab dem Fertigungsdatum als maximale Lebensdauer für seine Produkte mit textilen Hauptbestandteilen.
      • Bei normalen Einsatzbedingungen gibt MAS für Gurte eine Benutzungsdauer von 6-8 Jahren vor. Verbindungsmittel sollten nach 4-6 Jahren ausgetauscht werden.

Sichtweise von HöHENPASS:

Generell ist es schwer pauschal Antworten zu geben. Sicher sind Gurte und Verbindungsmittel, die nie benutzt wurden, sachgerecht gelagert und keinen witterungsbedingungen ausgesetzt länger nutzbar, als Produkte die jeden Tag genutzt werden. Trotzdem erreichen alle textilen Ausrüstungsgegenstände und Kunststoffteile irgendwann durch äußere Einflüsse, wie Licht oder auch Alterung  eine gewisse "Lebensgrenze".

Die BG gibt diese Empfehlungen sicher daher nicht ganz ohne Grund. Abweichungen hiervon werden von den Prüfstellen hinterfragt und müssen technisch begründet und nachvollziehbar sein. Im Falle eines Schadens ist davon auszugehen, dass sich auch Gerichte an den Regeln der Berufsgenossenschaft orientieren und technisch nicht belegte Abweichungen kritisch sehen.

Vollkommen auf Ablegereifen zu verzichten halten wir, bei aktuell geltendem Recht und Vorschriften, für rechtlich unzulässig und verantwortungslos gegenüber den Nutzern.

Anders verhält es sich bei Metall / Hardware (Karabiner, Umlenkrollen etc.). Diese Teile haben eine unbegrenzte Lebensdauer, müssen aber ebenfalls einmal pro Jahr überprüft und gegebenenfalls ausgetauscht werden, sofern Mängel sichtbar sind. Die jährliche Revision jedes Ausrüstungsgegenstandes muss schriftlich festgehalten werden.

Kriterien für das Ablegen Ihrer Ausrüstung können auch ein Fall aus größerer Höhe, Kontakt mit chemischen Stoffen oder scharfen Kanten sowie einschränkungen der Funktionalität sein.

Am Ende ist es immer eine individuelle Produktentscheidung. Am Ende hängt schließlich ein / ihr Leben daran.

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